Historie

135 Jahre Neukirchener Mission - 

ein Überblick nach Jahrzehnten

1880 - 1890:

Pastor Ludwig Doll hatte schon früh die Notwendigkeit erkannt, neben der Arbeit im Waisenhaus (1878 gegründet) Missionare auszusenden. So begann er 1880 mit dem Unterricht der ersten fünf Missionskandidaten. Da die Räumlichkeiten im Waisenhaus sehr beengt waren, wurde ein eigenes Missionshaus dringend nötig. Pastor Ludwig Doll konnte ein zum Kauf angebotenes Wirtshaus mitten im Dorf Neukirchen für 10.500,- Mark erwerben (mit einer Anzahlung von 500,- Mark; "für das Übrige wird der Herr, des die Sache ist, auch sorgen.") Am 16.2.1882 fand der Umzug in das renovierte Gebäude statt. Am 27.8.1882 wurde das Missionshaus feierlich eingeweiht. Dies war der offizielle Beginn der Neukirchener Mission. Vormittags predigte Georg Müller aus Bristol, damals schon 77 Jahre alt. Nachmittags fand die Festveranstaltung im Missionshaus statt, in der Ludwig Doll über den bisherigen Verlauf berichtete.

Am 23.5.1883 verstarb Pastor Doll im Alter von 37 Jahren. Julius Stursberg übernahm die Leitung des Werkes. Im gleichen Jahr wurde das Missionshaus weiter um- und ausgebaut. 1888 wurde der Versammlungssaal errichtet (Ludwig-Doll-Saal). 1884 reisten die ersten Missionare der Neukirchener Mission aus, und zwar nach Java und Ägypten.

Die Niederländerin Elise Yohana Le Jolle hatte um 1849 auf ihrer Plantage in Nordmitteljava (im damaligen Niederländisch Indien) begonnen, den Arbeitern das Evangelium zu verkündigen. Als sich die Arbeit immer mehr ausweitete, bat sie zunächst die niederländische "Missionsgemeinde Ermelo", später die NM um Missionare. 1888 schlossen sich auf Java die Missionare der NM und die niederländischen Missionare zum "Bund der Missionare der Salatiga Mission" zusammen.

Die Neukirchener Missionare in Ägypten sahen durch ihre Zusammenarbeit mit der Missionsgemeinde Ermelo ihre Prinzipien als Glaubensmission gefährdet. So suchten sie ein neues Missionsfeld und reisten ins damalige Deutsch-Ostafrika (heutiges Kenia) weiter. Am Tanafluss begannen sie 1887 mit der Missionsarbeit unter dem Volk der Pokomo.

1890 - 1900:

Ausdehnung der Missionsarbeit auf den beiden Missionsfeldern Java und Ostafrika. Von Java wird ein "langsames Weiterwachsen" berichtet (Ende 1891 gab es im Ganzen 606 Getaufte). Viele Dörfer waren sehr verschlossen. Javanische Pflegekinder wurden von Missionaren ins Haus aufgenommen. In Salatiga wurde eine Arbeit unter Chinesen begonnen. Sie waren viel offener als die javanischen Moslems. In der Folgezeit kam es zu Bekehrungen unter ihnen. Sogar ein chinesischer Evangelist wurde eingestellt. Neu wurde in der großen Hafenstadt Semerang eine Arbeit angefangen.

1893 beschlossen die Pokomo, die okkulten Geheimbünde aufzugeben und Christen zu werden. Es kam zu den ersten Taufen.

 

1900 - 1910:

Einige Jahre zuvor war es auf Java wegen einer langen Dürreperiode zu einer Hungersnot gekommen. Das machte die Entscheidung leichter, im Jahr 1902 mit einer ärztlichen Mission zu beginnen: in Salatiga wurde ein Haus gekauft und als Poliklinik eingerichtet. Ab 1906 wurden Schulen gebaut und eingerichtet, dazu auch Lehrerseminare.

In Kenia wurde die Arbeit unter den Pokomo am Tanafluss ausgeweitet. Das Neue Testament wurde in die Pokomosprache übersetzt und gedruckt. Die Zahl der Christen wuchs ständig.

In Neukirchen wurden 1907 das Waisenhaus und das Missionswerk zu einer offiziellen Körperschaft mit dem Namen "Waisen- und Missionsanstalt".

 

1910 - 1920:

Während einer Missionsreise starb 1910 Inspektor Stursberg auf Java. Nachfolger wurde Wilhelm Nitsch, der die Mission 40 Jahre lang leitete.

Die Missionsarbeit in Urundi (heutiges Burundi) beginnt.

Der 1. Weltkrieg brachte alle Missionsarbeit am Tanafluss zum erliegen. Die Missionare wurden in britische Internierungslager nach Indien gebracht. Die Arbeit in Urundi konnte bis 1916 weitergehen. Auf Java gab es zwar manche Schwierigkeiten, aber keine Beschränkungen, weil die Niederlande und ihre Kolonie Niederländisch-Indien im 1. Weltkrieg neutral blieben.

 

1920 - 1930:

Erst 1926 war es der Neukirchener Mission möglich, wieder Missionare zu den Pokomo auszusenden. Sie wurden dort herzlich empfangen. Es zeigte sich, dass in den Jahren vor dem Krieg eine gute Grundlage gelegt worden war. Die Zahl der getauften Christen hatte sich in den Jahren 1914 - 1926 mehr als verdoppelt. Allerdings war auch vieles aufzuarbeiten.

Eine Wiederaufnahme der Missionsarbeit in Urundi war nicht möglich. So wurde schweren Herzens im Jahr 1927 der Bitte der dänischen Baptisten-Missionsgesellschaft entsprochen und dieser die ehemalige Arbeit übergeben. Allerdings eröffnete sich 1928 das Uha-Gebiet im Westen Tansanias als neues Missionsfeld für die NM; Familie Ginsberg und Missionar Kube waren die ersten Neukirchener dort.

Aus Java kann für diese Jahre von einer guten Weiterentwicklung gesprochen werden. Vor allem die Schul- und Krankenarbeit wurde weiter ausgebaut; es entstanden nun auch Schulinternate.

1930 - 1940:

War die Missionsleitung anfangs noch dankbar, dass mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wieder Ruhe und Ordnung in Deutschland einkehrten, so machte sich doch bald Ernüchterung breit. 1937 trat die NM offiziell der "Arbeitsgemeinschaft der missionarischen und diakonischen Verbände" bei, die sich lose der Bekennenden Kirche zuordnete. 1939 wurde allen Missionen die Gemeinnützigkeit aberkannt und die NM musste für mehrere Jahre Steuern nachzahlen.

Auf Java wurden die durch Neukirchener Missionare gegründeten Gemeinden immer selbstständiger.

Die Missionsarbeit am Tanafluss nahm wieder Fahrt auf; allerdings drang auch der Islam mehr und mehr in dieses Gebiet ein. Die Missionare arbeiteten zielgerichtet darauf hin, dass die Pokomo-Gemeinden selbstständiger wurden (Gemeindeordnung, überschaubare Struktur).

Im Uha-Gebiet wurden außer den ersten Stationen Shunga und Kalinzi (später Matyazo genannt) drei weitere gegründet.

Fortsetzung folgt...